"Wir nehmen uns den Raum!"

Die Geschichte und Ideen der Rhetorik sind eng verbunden mit dem Ausschluss von Frauen und Menschen, die nicht den oberen Schichten angehörten. Dieses Erbe ist heute noch in vielen Ausrichtungen von Rhetorik-und Kommunikationsseminaren sichtbar. Es werden meist nur männliche Redner als Vorbilder oder Beispiele eingesetzt, es wird von „den allgemeinen Grundlagen“ gesprochen. Wenn dann einmal Geschlechterstereotype Thema sind, dann als Spezial-Kurs „Rhetorik für Frauen“ während die üblichen Kurse ihre Ausrichtung nicht als „Rhetorik für Männer“ beschreiben.

„Die Frau hat das Recht, das Schafott zu besteigen, sie muss das Recht bekommen, eine Rednertribühne zu besteigen.“ Schrieb Olympe de Gouges 1791 in ihrer „Erklärung der Frauen- und Bürgerinnenrechte“. Und bis heute bereitet es oft gerade Frauen* Schwierigkeiten, im Mittelpunkt zu stehen, angesehen und beurteilt zu werden und sich selbst darstellen oder gar „gut verkaufen“ zu müssen. Mein Ansatz besteht nicht darin, wie es leider in vielen Rhetorik-Ratgebern zu lesen ist, Frauen nun „männliche“ (damit ist meist gemeint, erfolgreiche) Kommunikationsstrategien beizubringen, sondern den Fokus auf die bereits bei JEDER REDNERIN vorhandenen Stärken zu legen, sich diese bewusst zu machen und auszubauen. Zweitens anzuerkennen, dass aufgrund der Geschichte des öffentlichen Redeverbots und sexistischer Strukturen de facto eine besondere Schwierigkeit besteht, im öffentlichen und beruflichen Raum zu sprechen. Und drittens, eine individuelle Strategie zu finden, handlungsfähig zu werden und selbst zu entscheiden, welche Redestrategien in welcher Situation verwendet werden können, um Ziele zu erreichen, Gegner_innen überzeugen zu können, und sich trotzdem selbst treu zu bleiben.

Image, Macht und Ermächtigung

Oft verbieten sich Frauen*, souverän und selbstüberzeugt aufzutreten. Macht wird verknüpft mit Arroganz, Herrschaft und Egozentrismus. ABER: Macht bedeutet auch Ermächtigung. Souverän und sich selbst bewusst aufzutreten hat nichts mit der Unterdrückung anderer zu tun. Meist steckt außerdem hinter der Angst, zu selbst-überzeugt zu sein auch die Befürchtung, nicht mehr gemocht zu werden. Das Status-Modell ist ein Werkzeug, sowohl souverän als auch sympathisch auftreten und überzeugen zu können – und um den Rede-Auftritt weniger als Prüfungs- und Angstsituation sondern als spielerische Herausforderung annehmen zu können.

In dem Training sollen die Bedürfnisse und Fragen der Teilnehmerinnen und der gemeinsame Spaß an praktischen Übungen im Mittelpunkt stehen. Das Training richtet sich sowohl an Interessierte mit viel Redeerfahrung als auch an diejenigen, die ihre Redeangst überwinden wollen.

Termin

15. September 2018
09:30 13:00 Uhr

Redner*innen

Trainerin, Coach & Performerin

Veranstaltungsort

Zelt
Franz-Mehring-Platz 1
10243 Berlin

Themen